Santiago

Santiago
Jakobus der Große; Jakobus der Ältere; Jakobus Maior

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San|t|i|a|go:
Kurzf. von Santiago de Chile.

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Santiạgo,
 
Name von geographischen Objekten:
 
 1) Santiạgo Atitlạ́n, Atitlạ́n, Stadt in Guatemala, am Atitlánsee, etwa 20 000 Einwohner; katholischer Bischofssitz; Zentrum eines Agrargebietes; Fremdenverkehr.
 
 2) Santiạgo de Chile [- ȓe 'tʃile], Hauptstadt Chiles, 520 m über dem Meeresspiegel, auf dem flachen Schwemmkegel des Río Mapocho, im Großen Längstal, am Fuß des Cerro Santa Lucía und des Cerro San Cristóbal, (1997) 4,64 Mio. Einwohner (Groß-Santiago, über 400 km2), in der Región Metropolitana (15 349 km2) 5,641 Mio. Einwohner (39 % der Bevölkerung Chiles). Am Stadtrand entstehen durch unkontrollierten Zuzug Slumviertel (Campamentos oder Callampas) mit großen sozialen Problemen, die auch durch sozialen Wohnungsbau (Poblaciones) nicht beseitigt und nur zum Teil zu besseren Wohnquartieren (Mejoras) entwickelt werden konnten; durch Abwanderung der Oberschicht entstanden auch zentrumnahe Quartiere der Unterschicht (Conventillos).
 
Santiago ist Mittelpunkt der Verwaltung sowie des geistigen und kulturellen Lebens Chiles. Erzbischofssitz; vier staatliche Universitäten, katholische Universität, pädagogische Hochschule, Militärakademie, wissenschaftliche Akademien und Institute, Observatorien, Goethe-Institut, deutsche Schulen, Nationalarchiv, -bibliothek, -museen, botanischer und zoologischer Garten.
 
 
Auf das bedeutende Wirtschaftszentrum Santiago mit guten Verkehrsverbindungen entfällt mehr als die Hälfte der chilenischen Industrieerzeugung und Industriebeschäftigten; v. a. Nahrungs- und Genussmittel-, Textil- und Bekleidungs-, Metall-, Elektro-, Gummi-, Glas-, Papier-, chemische, keramische, Holzindustrie.
 
Verkehr:
 
Santiago ist das Zentrum des chilenischen Eisenbahnnetzes (über die Anden Verbindung mit Mendoza und Buenos Aires), liegt an der Carretera Panamericana, verfügt über eine U-Bahn; Häfen sind Valparaíso und San Antonio; Flugplatz Los Cerrillos (Inlandverkehr), internationaler Flughafen (Pudahuel). - Die im kolonialen Schachbrettgrundriss angelegte Stadt dehnt sich weitläufig aus. In der anfangs durch die Araukaner, später durch Erdbeben, Brände und Überschwemmungen häufig zerstörten Stadt sind die Kirchen San Francisco (1572-1618) und La Compañía (1863 ausgebrannt) die ältesten noch erhaltenen Sakralbauten aus der spanischen Kolonialzeit; aus dem 18. Jahrhundert sind erhalten die Casa Colorada (Ende 18. Jahrhundert), ein großes Patiohaus, und die Posada del Corregidor (um 1750) sowie typische Wohnbauten. In den Jahrzehnten vor und nach den Unabhängigkeitskriegen fand unter dem Einfluss von Joaquín Toesca y Ricci (ab 1780 in Chile, ✝ 1799) die Einführung neubarocker und klassizistischer Architekturformen statt. Davon zeugen die heutige Kathedrale (1748-1830), eine dreischiffige Basilika, die Kirche La Merced (1746 begonnen; Hauptbauabschnitt 1795-99), das Rathaus (1785-90), ursprünglich städtisches Gefängnis, und die Casa Real de la Moneda (begonnen 1784), heutiger Regierungs-Palast, ein Bau von Toesca, der als einziger in seiner ursprünglichen Form erhalten geblieben ist. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden zahlreiche Bauten, die starken europäischen Einfluss belegen. Zu den wichtigsten zählen der Congreso Nacional (1848-76) und das Teatro Municipal (1853-57, umgebaut 1870-73) sowie das Erzbischöfliche Palais (1870) und das Museo de Historia Natural (1875). Aus dem frühen 20. Jahrhundert stammen Eisen- und Glaskonstruktionen wie das Museo de Bellas Artes (1905-10) und der Bahnhof Estación Alameda (1910) mit seinem weit gespannten Tragwerk. Für die Moderne steht die Escuela de Derecho (1938); unter dem in den 1950er- und 1960er-Jahren starken Einfluss von Le Corbusier entstand der Bau für die CEPAL, eine Behörde der Vereinten Nationen (1960). - Santiago de C. wurde am 12. 2. 1541 unter dem Namen Santiạgo del Nuẹvo Extrẹmo (»Santiago der neuen Grenze«) von P. de Valdivia gegründet; 1574 wurde es Sitz einer Audiencia, 1609 Hauptstadt des Generalkapitanats Chile. Das starke Wachstum der Stadt setzte 1850 mit dem Salpeterabbau ein.
 
 
J. Bähr: S. de Chile. Eine faktorenanalyt. Unters. zur inneren Differenzierung einer lateinamerikan. Millionenstadt (1978);
 M. Cuadra: Architektur in Lateinamerika. Die Andenstaaten Chile,. .. (1991).
 
 3) Santiạgo de Compostẹla, Haupstadt der Region Galicien, Nordwestspanien, in der Provinz La Coruña, 260 m über dem Meeresspiegel, im Galicischen Bergland am Südosthang des Monte Pedroso, 94 100 Einwohner. Die Stadt ist neben Jerusalem und Rom der bedeutendste christliche Wallfahrtsort (Endpunkt der Pilgerstraßen des »Camino de Santiago«, des Jakobswegs; Verehrung des Apostels Jakobus des Älteren, Schutzpatron Spaniens) und eines der wichtigsten religiösen und geistigen Zentren Spaniens; Sitz eines katholischen Metropolitanerzbischofs; Universität (1501 gegründet); zahlreiche kirchliche Seminare und Schulen; Museum für zeitgenössische Kunst von A. Siza Vieira; Landwirtschaftszentrum (Spezialmärkte); Nahrungsmittel-, Holz-, Metallindustrie; Druck- und Verlagswesen; Fremdenverkehr; Eisenbahn- und Straßenknotenpunkt an der Autobahn La Coruña-Vigo, internationaler Flughafen Labacolla 10 km östlich. Fiesta de Santiago Apostól (25. Juli). »ʃulturstadt Europas 2 000«. - Die Altstadt (zusammen mit dem Pilgerweg von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt) wird durch Barock- und Renaissancebauten sowie durch repräsentative Platzanlagen, arkadengesäumte Straßenzüge (Rúas) und die einheitliche Verwendung von Granitbausteinen geprägt. Unter den 46 Kirchen und Kapellen ist die dem heiligen Jakobus geweihte Kathedrale, 1060-1211 über Vorgängerbauten des 9. und 10. Jahrhunderts errichtet, an erster Stelle zu nennen; hinter der westlichen Schaufassade (1738 ff.) im churrigueresken Stil liegt der Pórtico de la Gloria (1188 vollendet) mit reichem Skulpturenschmuck des Meisters Mateo am Portalgewände; darunter die zweischiffige romanische Iglesia baja (»Catedral Vieja«, 11./12. Jahrhundert). In der Krypta die Gräber des Apostels (Silbersarkophag) und seiner Schüler Theodorus und Athanasius, darüber die Capilla Mayor mit churriguereskem Hauptaltar und Apostelaltar (1715) mit Holzskulptur (13. Jahrhundert) des Jakobus (ein Kuss seines Mantels beendet die Pilgerfahrt). Der romanische Innenraum der Kathedrale (Vierungskuppel 33 m hoch) ist von einem Kranz reich dekorierter Kapellen umgeben, in der Capilla de las Reliquias Reliquien vom Kreuz und der Dornenkrone Christi, in der Schatzkammer Königs- und Fürstengräber; spätgotischer Kreuzgang (1521-80 von J. de Álava und J. de Herrera erbaut) mit Bibliothek, Archiv, Teppichmuseum und archäologisches Museum. Der romanische Palacio de Gelmírez (1120-1266) ist heute erzbischöflicher Palast; die Pilgerherberge Hostal de los Reyes Católicos (1499 gegründet, 1501-11 von E. Egas erbaut, platereskes Portal, Innenhöfe mit Zentralkapelle im isabellinischen Stil) ist heute Luxushotel; der klassizistische Palacio Rajoy (1766-77) ist heute Rathaus und Sitz der Regional-Regierung; die Kollegien San Jerónimo (1665 neu erbaut, romanisches Portal aus dem 13. Jahrhundert) und Fonseca (1532-44, platereskes Portal) dienen heute Universitäts-Einrichtungen; Universitätsgebäude (gegründet 1501, 1769-1805 neu gestaltet, 1894-1904 erweitert); größter Barockbau ist das Kloster San Martín Pinario (899 gegründet, Ausbau bis ins 19. Jahrhundert). - Auf dem Gebiet der Stadt wurden Reste eines römischen Militärlagers (1.-4. Jahrhundert) und einer swebischen Siedlung (5.-7. Jahrhundert) ausgegraben. Nach der Auffindung eines Grabes (813), das der Legende nach die Gebeine des Apostels Jakobus des Älteren enthielt, entstand unter Alfons II. von Asturien (789-842) bald ein Wallfahrtszentrum, gefördert von Papst Leo III. und zum Bischofssitz erhoben; 876 Konzilsort. Die nach der Zerstörung (997) durch Mansur (Almansor) wieder aufgebaute Stadt erhielt 1095 von Papst Urban II. den Namen Santiago de C. (zu lateinisch campus stellae »Sternenfeld«, in Anknüpfung an Einzelheiten der Legende der Grabauffindung) und wurde erneut Bischofssitz, 1120 Erzbischofssitz. Unter Alfons IV. von Kastilien und León (1072-1109) stieg Santiago de C. zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte der mittelalterlichen Christenheit auf. 1175 wurde der Militärorden von Santiago gegründet, der erfolgreich gegen die Mauren kämpfte. 1589 verschwanden die Jakobusreliquien bei einer geplanten Verlegung nach Orense und wurden erst 1879 bei Grabungen in der Krypta wieder entdeckt.
 
 4) Santiạgo de Cụba, Provinzhauptstadt und zweitgrößte Stadt Kubas, Hafen an geschützter Bucht der östlichen Südküste, 432 400 Einwohner; Erzbischofssitz; Universität (1947 gegründet), historisch-archäologisches Museum; Erdölraffinerie, petrochemische u. a. Industrie; Eisenbahnendpunkt, internationaler Flughafen. - Die Kathedrale (mit Grab des Diego de Velázquez) ist die älteste Kirche Kubas; Fort El Morro (1600 erbaut, 1662 zerstört, 1664 wieder errichtet) am Eingang der Bucht.
 
 
Santiago de C. wurde 1514 von Velázquez gegründet und war 1523-56 Hauptstadt Kubas. Im 17. und 18. Jahrhundert wurde es mehrmals durch Flibustiers geplündert und durch Erdbeben zerstört.
 
 5) Santiạgo del Estẹro, Hauptstadt der Provinz Santiago del Estero, Nordwestargentinien, 187 m über dem Meeresspiegel, am Río Dulce, 189 500 Einwohner; Bischofssitz; staatliche und katholische Universität, archäologisches Museum; Handelszentrum, Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten; Flugplatz.
 
 
Santiago, 1553 gegründet, ist die älteste spanische Siedlung auf dem Gebiet des heutigen Argentinien.
 
 6) Santiạgo del Estẹro, Provinz im nördlichen Argentinien, 136 351 km2, 672 000 Einwohner, Hauptstadt ist 5); größtenteils im Gran Chaco; wenig Ackerbau (meist mit Bewässerung; Baumwolle, Obst, Luzerne). Bedeutend ist die Zucht von Rindern, Schafen, Ziegen.
 
 7) Santiạgo de los Caballeros [- kaβa'jerɔs], Provinzhauptstadt im Norden der Dominikanischen Republik, mit 364 400 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Landes; katholischer Bischofssitz; katholische Universität, TU; Zentrum des Cibaobeckens; Verarbeitung von landwirtschaftlichen Produkten; Flugplatz.
 
 
Gegründet 1494/95.
 
 8) Santiạgo de Peñalba [- ȓe pe'ɲalβa], etwa 20 km südlich der nordwestspanischen Stadt Ponferrada in den Bergen gelegene mozarabische Kirche (931 erbaut); an den Portalen fein proportionierte Hufeisenbögen.
 
 9) Santiạgo de Verạguas, Hauptstadt der Provinz Veraguas, Panama, im pazifischen Tiefland, 67 200 Einwohner; Bischofssitz; Marktort.

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San|ti|a|go [de Chi|le]: Hauptstadt von Chile.

Universal-Lexikon. 2012.

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